Am Endes des Kirchenjahres fügt sich gerade so manches zusammen. Die letzten gelben Blätter fallen von den Bäumen, ein wenig blüht es noch in den Blumenbeeten an Kirche und Gemeindehaus. Letzten Montag wurde meine Großmutter in meiner Heimatstadt beigesetzt, früh am Morgen. Die Novembersonne leuchtete uns zum Grab, es war fast surreal hell. Ein guter, stimmiger, trauriger Abschied. Dass auch die Nachbarn und Freunde weinten tröstete mich. Geteilte Trauer. Ungeahnt wohltuend.
Der Herbst dieses Jahr scheint besonders bunt und hell zu sein. Die Felder und Parks haben sich einem richtigen Farb- und Lichtrausch hingegeben. Vielleicht ein letztes Aufbäumen gegen den grauen Winter am Stadtrand? Oder doch eher ein erleichtertes „endlich geschafft“ am Ende eines langes Sommers?
Die letzten Wochen waren aufreibend, zuhause und auch privat. Pfarrdienst ist tricky wenn man selbst gerade nicht gut aufgestellt ist und schneller als üblich aus dem Gleichgewicht gerät. Die Frauen, zu deren Natur das Lästern und Schimpfen (DAS war wirklich schon immer so) gehört, werden dann größer und lauter als sie eigentlich sind. Der ernste Blick des Vikars spricht fatale Bände. Die Bürokraft beweist in noch kürzeren zeitlichen Abständen, dass Kontakt mit Menschen wirklich nicht ihre Stärke ist und Lernfähigkeit ebenso wenig. Das Presbyterium duckt sich besonders ärgerlich vor seinen Aufgaben und Verantwortungen. „Die Gemeinde“ beschwert sich einheitlich und mit viel Ausdauer über die Arbeit des Diakons, aber natürlich nur bei mir. Und ich hätte eigentlich Urlaub machen sollen statt mich mit all dem rumzuschlagen. Menschen. Bedürfnisse. Es ist kompliziert.
Lichtmomente ergeben sich auch jetzt und sie leuchten besonders. Das Gebet von Frère Roger, das der Vikar während einer Taizéandacht wählt, überflutender Trost. Seit Wochen bin ich endlich wieder bei Stimme an diesem Abend und kann singen, andere singen mit, sogar vierstimmig und oh, ist das herrlich und schön – das hatten wir hier noch nie. Hinterher sitzen wir im Gemeindesaal zusammen und erzählen, spielen, lachen bis die Tränen kommen. Ich bin erschöpft, heiser und höre schnupfenbedingt nur die Hälfte, aber es ist ein Fest.
Die Konfis rühren mich besonders an in diesem Jahr. Sie sind zu dritt, kannten sich vor Beginn der Konfizeit nicht und gehen total gut um mit den Themen und sich selbst und den anderen. Sie haben richtig Bock was zu machen. Jetzt am Sonntag haben sie die Gedenken für zwei Verstorbene übernommen und waren dabei ganz ernst und echt. Das ging mir richtig durchs Herz. Am Sonnabend haben sie Ewigkeitsboxen gestaltet. Drei völlig verschiedene Vorstellungen davon, wie es nach dem Tod weitergeht. Weiß-silberne Rampen auf Wolken, klingende Bewegungen, Weite. / Ein Weg auf dunkler Erde an dessen Ende eine weitere Tür steht und ein Engel wartet darin. Ein herrlicher Kronleuchter aus Schellen macht es hell./ Es gibt Dunkles und Helles. Leben wächst weiter. Alle unsere Namen stehen am Nachthimmel und bilden den Großen Wagen. Zusammen in der Ewigkeit, ein Zeichen für alle, die nach oben sehen./