Seit Wochen: irgendwas Undefinierbares zwischen viel Winter und ein kleines bisschen Frühling. Es blüht und duftet draußen nach Kräften, fast ein wenig trotzig kommt mir das vor. Eiskalter Wind und Nieselregen? Pff, wir geben trotzdem alles. Dunkelfinstere Nacht mit Schneeluft? Whatever, Frühling ist, wenn man dennoch blüht.
Seit Wochen: bei mir irgendwas zwischen viel Erkältung mit ewigen Husten und gerade so genesen sein. Das ist gerade wohl überall so und bei Menschen mit Kindern nochmal viel krasser. Tatsächlich beunruhigend erscheint mir, dass ich seit Dezember keine Beisetzung mehr hatte. Ich ahne, dass es nur eine Phase ist, aber geheuer ist mir die Sache nicht. Die Tage vor Ostern sind deshalb überraschend „ruhig“. Ich hab sogar Zeit für Seelsorgebesuche, was ich echt genieße. Und es ist toll wenn Raum ist, über die Texte und Themen rund um Tod und Auferstehung ohne Schnappatmung nachzudenken.
Vielleicht habe ich im Moment wirklich zu viel Zeit, jedenfalls beschäftigt mich außerdem ein Phänomen, das seit ein paar Wochen verstärkt auftritt. Nach Gremiensitzungen, zwischen Tür und Angel nach dem wuseligen Palmsonntagsgottesdienst, vor dem Seniorenkreis. Menschen fragen mich mit besorgter Miene, ob denn alles bei mir in Ordnung sei und ob es mir gut ginge. Alles gut bei dir? Du wirkst so angespannt.
Und meine Reaktion auf diese Fragen ärgert mich fast genauso sehr wie die schrägen Fragen selbst. Sofort habe ich nämlich das Bedürfnis, alle Sorge um mich beim Gegenüber fortzuwischen Nee, mir gehts gut. Alles ok. Echt.
Egal, ob ich gerade eine stundenlange und grauenvolle Sitzung an einem Sonnabend (viel, viel Menschenhasserstimmung) hinter mir habe, der Gottesdienst zu Palmsonntag großartig, aber auch total anstrengend war (u.a. durch ein spontan erwachtes, unregelmäßiges, durchdringendes Piepsen in unserer Tonanlage – wtf?) und auch egal, wenn die Nacht vorm Seniorenkreis zu kurz war, weil Husten und Erkältung und bäh. Ich will trotzdem so wirken, als wäre ich nicht auch mal müde, nicht auch mal angespannt oder kaputt. Superpfarrerin. Immer fresh, immer souverän. Soweit kommt es noch, dass Leute nach meinem Befinden fragen!! Pff. Ich blühe trotzdem.
Gleichzeitig sind diese Fragen zwar wohl irgendwie gut gemeint, aber halt auch komisch übergriffig. Was denken denn die Leute, wie ich in so einer Situation darauf reagiere? Dass ich ihnen mein Herz ausschütte? Dass ich mal so richtig ablästere über z.B. meine unfähige Bürokraft (Stoff für Stunden und viel Schnaps)? Tränen? Eine Einladung in die Sauna?
Und außerdem beschäftigt mich sofort auch die Frage, ob ein Mann wohl mit denselben Fragen konfrontiert wird. Ich vermute, nein. Da gelten andere Maßstäbe. Auch das nervt hart.
Morgen kreisen meine Gedanken hoffentlich wieder um Erbaulicheres. Predigttext für Ostersonntag ist von Paulus, der alle Zeugen der Auferstehung aufzählt. Allerdings – keine einzige Frau dabei. Paulus – wtf? Diese Frage würde ich gerne mal in persona loswerden. Und nachschieben: Du siehst so blass aus, alles gut bei dir?