Als die vier wahrscheinlich stärksten Männer der Welt vor fast einem Monat meinen gesamten Hausstand innerhalb weniger Stunden in einen riesigen, roten LKW trugen und in der neuen Stadt (!) wieder auspackten und in die dritte Etage eines Mietshauses trugen und wieder aufbauten, wunderte ich mich sehr. So schnell sind drei Zimmer, die eben noch mit Leben und Chaos und meiner Geschichte gefüllt waren, leer. Bis auf die French Press und den Kaffee (ausgerechnet!), die Futternäpfe der Katze und ein paar Plakate und sehr viel Staub und Fluserei.
Mittlerweile sind auch die letzten Dinge, nachdem ich die alte Wohnung sauber geputzt hab, in den neuen vier Wänden angekommen. Nun bin ich zwar in komplett neuen Gefilden, aber dabei umgegeben von Möbeln und Gegenständen, die schon im großen, alten Pfarrhaus standen oder dort dazu gekommen sind und mir jetzt teilweise zum Abschied geschenkt wurden: wie die zwei alten und schönen (und laut Umzugsmännern fies schweren) Holzschränke. Handarbeit aus dem Landstrich, der mir nach fast vier Jahren zu einer Heimat geworden ist. So betrachtet ist in diesen Wochen zwar vieles, aber eben nicht alles neu und das fühlt sich für den Neustart hier gut und stimmig an.
Meine Einführung auf die neue Stelle hätte schöner nicht sein können, es war wie im Film. Die Familie war da, Menschen aus meiner Heimatstadt, Rahel und ihr Liebster und die Kinder, auch Ruth und die ehemalige WG-Mitbewohnerin und Jana und ein paar liebe Kolleg*innen aus meinem ersten Kirchenkreis, auch der Nachbars-Landpfarrer mitsamt Hausstand und eine große Abordnung aus der ersten Gemeinde, von deren Anreise ich vorher nichts wusste. Erst beim feierlichen Einzug in die Kirche entdeckte ich sie in den ersten Bankreihen links: Herrn Alt mit Herrn Taschel, dann den Förster mit Frau und meinen Bestatter mit Frau und zwei befreundete Paare aus dem Örtchen. Sofort überkam mich eine ungläubige Welle der Rührung (is this the real world?), genau in dem Moment wurde ein Foto geschossen, man sieht mir das gewärmte Herz an. Auch die neue Gemeinde zeigte sich dann von bester Seite: die Kirche war rappelvoll mit Menschen aller Altersgruppen, der Gemeindechor rührte mich fast zu Tränen (man sang u.a. „Du bist da“ seufz) , ein Streichorchester spielte fantastisch auf, die Segensworte des Superintendenten und des Presbyteriums und der Kolleg*innen waren allesamt von tiefer Herzlichkeit durchzogen, auch die vielen Grußworte im Anschluss – es gab Umarmungen und Freude und Lachen und unendlich viele Blumen und Geschenke – es war ein richtiger Glücksrausch.
Hier in der großen Stadt gibt es auch einen Kirchgarten (sogar mit ein paar kleinen Apfelbäumen und Pflaumen) und auch diese Gemeinde feiert und isst und trinkt gerne (bisher gibt es allerdings nur Kuchen, aber hoffentlich auch bald Schnittchen). Das Beisammensein im Garten nach der Einführung bot ein großartiges Bild: die Kinder von Rahel und die meines ehemaligen Nachbarpfarrers schaukelten gemeinsam, der neue Vorsitzende des Presbyteriums trank importierten Schnaps mit dem Förster und ich fühlte mich pudelwohl, unterhielt mich hier ein wenig, spielte dort mit den Kindern und wurde später, als sich der Trubel etwas legte, von Armin wortlos mit Bier versorgt. Man kennt sich eben. Seine Frau schrieb mir ein paar Tage später: wir hatten einen sehr schönen Tag bei dir. Was könnte ich mehr wollen?
Ankommen ist schön, wenn man so viel Gutes mitnehmen konnte. Danke, Gott.